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30. Spreu oder Weizen? Wie du für deine Karriere- und Lebens-Themen den richtigen Coach findest

Heute möchte ich eine Frage aufgreifen, die mir in letzter Zeit immer häufiger von Klienten, Freunden und Bekannten gestellt wird: 

  • Wie finde ich den „richtigen“ Coach für meine Karriere- und Lebens-Themen? 
  • Wie kann ich seriöse Coaches von unseriösen Coaches unterscheiden, wenn ich sehr persönliche Themen wie z. B. Karrierewechsel, Konflikte mit Vorgesetzten, allgemeine Lebensfragen oder Beziehungsthemen besprechen möchte?
  • Kurzum: Wie trenne ich die Spreu vom Weizen?

Es ist verständlich, dass der Coaching-Markt für Außenstehende recht schwer überschaubar erscheint – faktisch ist er das auch:  Denn da gibt es die schier unerschöpfliche Vielfalt an Coaching-Spezialisierungen: Es gibt Life Coaches, Business Coaches, Vision Coaches, Spiritual Coaches, Psychologische Berater, Lebensberater, Motivations-Speaker und und und … den Wortneuschöpfungen sind hier fast keine Grenzen gesetzt.

Laut einer Marktstudie gibt es ca. 10.000 Coaches in Deutschland – vermutlich sogar wesentlich mehr, allein durch das Wachstum des Online-Coaching-Marktes in den letzten Jahren. Ein neuer Trend sind z. B. die so genannten „Instagram-Coaches“, die sich vor allem auf eine junge Zielgruppe spezialisieren. 

Dazu kommt, dass der Coaching-Beruf nicht geschützt ist, es keine staatlich anerkannte Ausbildung gibt und auch keinen wirklich offiziellen und übergreifenden Bundesverband, der bestimmte Qualitätsstandards sichert. 

Übersetzt heißt das: Praktisch jede*r kann sich Coach nennen, die/der es möchte. Einerseits entsteht dadurch eine bunte Angebotsvielfalt, da es keine Eintrittsbarrieren gibt, andererseits liegt genau darin die Gefahr: Wie kannst du für deine Themen – egal, ob es um Karriere oder Life Coaching geht – in diesem Dickicht den richtigen Coach für dich finden?

Ich habe heute 5 Tipps, die ich als Coach dir bei deiner Suche nach dem richtigen Coach mitgeben möchte:

Tipp #1: Angebot eines kostenlosen und unverbindlichen Vorgesprächs

Nicht jeder Coach macht es, doch meinem Empfinden nach sagt das eine Menge aus … Warum? 

  • Das Angebot eines Vorgesprächs ist eine tolle Möglichkeit für den möglichen Coachee, den Coach kennenzulernen, Fragen zu stellen, das Expertenwissen des Coachs zu prüfen und ein Gefühl für den Menschen zu entwickeln, mit dem du vielleicht zukünftig an deinen oft sehr persönlichen Themen arbeiten wirst. Daher ist es aus meiner Sicht absolut notwendig, dass das Vorgespräch bzw. erste Gespräch unbedingt kostenlos und unverbindlich zu sein hat. 
    • Auch Angebote, dass das Vorgespräch doch kostet und dann im Falle eines regulären Coaching-Auftrags auf das Coaching-Honorar im Nachhinein angerechnet wird, ist aus meiner Sicht nicht wirklich fair – denn entweder siehst Du dich dadurch genötigt, im Anschluss doch ein reguläres Coaching zu machen, um durch Anrechnung diese Vorgesprächs-Kosten wieder reinzuholen (egal, wie gut du den Coach findest). Damit wäre das Marketingziel des Coachs erreicht, den Interessenten zu akquirieren. Oder aber du entscheidest dich gegen den Coach – dann aber hast Du Geld für ein Vorgespräch umsonst ausgegeben. Zum Vergleich: Ein Autoverkäufer verlangt ja auch kein Geld für seine Beratungsgespräche, denn er hofft ja darauf, mit dir vielleicht später ins Geschäft zu kommen! 
    • Das Vorgespräch sollte ca. 15-30 Minuten dauern und ist ein Kennenlern- und fachliches Einordnungsgespräch. 
  • Das Gespräch muss nicht persönlich erfolgen. Es kann auch telefonisch oder per Videokonferenz geschehen.
  • Falls das Angebot eines Vorgesprächs nicht transparent z. B. aus der Website des Coachs hervorgeht, einfach nachfragen.
  • Das bringt mich zu einem weiteren Punkt: Hat der Coach eine Website, auf welcher er zu sich und seinem Angebot ausführlich und präzise informiert samt Impressum und Datenschutzerklärung?

Tipp #2: Punkte, die ein Coach im Vorgespräch ansprechen sollte.

Inhalte des Vorgesprächs sollten sein:

  • Scope und Umfang der möglichen Zusammenarbeit, d. h. deines Themas. Das ist auch wichtig, um hier herauszufinden, ob nicht ein anderer Coach für dich möglicherweise besser geeignet wäre. Daher solltest du im Vorgespräch auch Fragen zur Expertise des Coaches stellen: Auf welche praktischen Erfahrungen im Bereich XY kann der Coach verweisen? 
  • Ist dein Thema überhaupt „coachable“, d. h. werden dir die Interventionstechniken und Tools im Coaching wirklich helfen können oder wärst Du z. B. bei einem Psychotherapeuten besser aufgehoben? Hier sollte eine Aufklärung zum Unterschied zwischen Psychotherapie und Coaching erfolgen. Manche Themen sind nämlich nicht coachable, sondern benötigen die Unterstützung durch einen Psychotherapeuten. Das sollte ein Coach mit euch besprechen.
  • Preisliche Konditionen und geschätzter Zeitaufwand: Du solltest nach der Stunde wissen, was eine Coaching-Stunde kostet, wie viele Sitzungen schätzungsweise anfallen; wie lange eine Sitzung geht; wie ihr zusammenarbeitet (online oder persönlich).
  • Idealerweise bekommst du nach dem Gespräch noch einmal alle wichtigen Punkte, die du für eine Entscheidung benötigst, schriftlich zugemailt oder ausgehändigt.

Tipp#3: Wie du prüfen kannst, ob der Coach für dein Thema der richtige Coach ist.

  • Neben der persönlichen Chemie, die du z. B. im Vorgespräch feststellen kannst, spielt natürlich auch die fachliche Kompetenz des Coachs, der ja Experte in wenigstens einem Bereich sein sollte, eine extrem wichtige Rolle. Aus meiner Sicht sind sicherlich Coaching-Zertifikate oder eine Coaching-Verbands-Zugehörigkeit ein erster Indikator. Ich würde das Ganze aber nicht zu groß machen, da fast jeder Coach mit einer gewissen Coaching-Erfahrung (im Rahmen seiner Ausbildung) in einen Verband gehen kann. Die Masse an Coaching-Ausbildungen ist überdies schwer zu bewerten im Hinblick auf Qualitäts-Standards. Auch hier gibt es nur sehr grobe Richtlinien. 
  • Wo ich stattdessen mehr draufschauen würde, sind die gemachten Lebens- und praktischen Erfahrungen. Ein Karriere-Coach z. B. sollte neben der reinen Coaching-Erfahrung in der beruflichen Praxis mit handfesten Karriere-Themen professionelle Berührung gehabt haben, z. B. als ehemaliger Karriere-Berater, Personaler oder Recruiter, und Business-Erfahrung haben. Hier hilft manchmal schon ein Blick auf das Xing- oder LinkedIn-Profil des Coachs. Das alles kannst du natürlich auch im Vorgespräch erfragen.
  • Wie sieht die thematische Spezialisierung des Coachs aus: Ich z. B. habe noch nie Erfahrungen mit Scheidungen gemacht. Doch es gibt Coaches, die genau auf dieses Thema spezialisiert sind, vielleicht sogar einen rechtlichen Background haben und nun Menschen durch diesen Prozess begleiten. Daher frag‘ hier unbedingt nach. Vorsicht bei Anbietern, die dir sagen, unter dem globalen Deckmantel des „Life Coaching“ alle Themen bearbeiten zu können. Denn irgendwann solltest du ja in eine konkrete Umsetzung gehen – spätestens dort ist dann Domain-Expertise gefragt, also z. B.: „Wie packe ich ganz konkret den Marktangang mit meinen Bewerbungen an?“

Tipp#4: Coaching als Allheil-Mittel für die Lösung all deiner Probleme?

  • Es gibt einige Motivations-Coaches im Markt, die dir Erfolg, Reichtum und Zufriedenheit versprechen … und das alles in kürzester Zeit. Es sind zumeist jene Coaches, die Tages- oder Wochenend-Events anbieten und ihre Teilnehmer extrem motiviert und „ready for the world“ aus ihrem Event entlassen. Dieser sog. „Seminar-Effekt“, d. h. eine extrem hohe Motivation und Energie direkt nach dem Event mit danach oft folgender Resignation im sich anschließenden Alltag hilft meistens leider nur einem … und weniger den zahlenden Coaching-Kunden.
  • Als Coach halte ich von diesen „Garantie-Versprechen“ gar nichts. Ich glaube zwar daran, dass jeder Mensch wirklich Erfüllung und Zufriedenheit in seinem Leben finden kann, doch dieser Prozess ist a) harte Arbeit, da er die Auseinandersetzung mit zentralen Lebensfragen und inneren Konfliktthemen bedeutet; b) als Coach kann ich dir diesen Weg nicht abnehmen und ein Ergebnis garantieren, sondern nur du kannst diesen Weg für dich gehen – als Coach bin ich aber dein wichtiger Reisebegleiter, der dir mögliche Optionen vorstellt und Werkzeuge in die Hand gibt. Die Entscheidung und Wahl triffst aber immer du selbst.

#5 Tipp : Intuition: Hör‘ auf dein Bauchgefühl!

  • Bei all den vorherigen Tipps ist am Ende aus meiner Sicht dein Bauchgefühl deine finale Entscheidungshilfe. 
  • Stell‘ dir also die Frage: „Kann ich mir wirklich vorstellen, mit diesem Coach X meine persönlichen Themen zu bearbeiten?“
  • Wenn dein Bauch nein sagt, dann such‘ einfach weiter. Das Verhältnis zwischen Coach und Coachee bzw. Klient sollte immer geprägt sein von gegenseitigem Vertrauen und Wertschätzung. Wenn du indes fühlst, dass du dich bei dem Coach gut aufgehoben fühlst, dann hast du die für dich richtige Antwort gefunden.

Viel Spaß und herzliche Grüße

Svenja


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